Hinter diesem aufrüttelnden Titel präsentierte sich am Freitag, den 11.06.2021 (ein Tag vor dem „Internationalen Tag gegen Kinderarbeit“) eine Onlineveranstaltung der AG „Fairer Handel“ des Elisabeth-Selbert-Gymnasiums. Dafür konnten Expert*innen aus dem Bereich „Kinderarbeit und fairer Handel“ gewonnen werden. So auch der renommierte Kinderarbeitsexperte und Buchautor Benjamin Pütter, der nach Begrüßung der ehemaligen Schulleiterin Ursula Bauer, direkt die knapp 40 Zuhörer*innen in den Bann zog. Er berichte spannend und gefühlt hautnah von erschütterndem Einzel – und Gesamtschicksalen aus seiner jahrzehntelangen investigativen Arbeit in Indien. Dort schuften Kinder jeglichen Alters vor allem in Steinbrüchen und an Webstühlen, oft auch Produktionsstätten für den Export in den Westen, und somit auch für den deutschen Markt. Erfolge durch hartnäckige Arbeit konnten erzielt werden, leider hat die Situation rund um Corona die Lage der Kinder wieder verschlechtert. Dabei bleibt dann nicht nur die Bildung der Kinder auf der Strecke. Aber neben den ganzen negativen Aspekten gab Herr Pütter konkrete Tipps für ein unterstützendes Handeln im Alltag. So kann und sollte man vertrauenswürdig zertifizierte Ware kaufen: z.B. XertifiX/Fairstone bei Steinen, GoodWeave bei Teppichen. Da es aber auch so viele andere Bereiche gibt, sollte man eben Schritt für Schritt das Konsumverhalten ändern, wie zum Beispiel derUmstieg auf Schokocreme ohne Kinderarbeit.

Nach diesem Packet an neuem Wissen konnte man kaum verschnaufen, denn nun berichtete Divine Loeper authentisch und emotional bewegt aus ihrem früheren Leben in Ruanda. Damit war die Brücke geschlagen, um auf die menschenunwürdige Arbeit in den Minen Ruandas und der DR Kongo hinzuweisen. Dort werden wichtige Rohstoffe für unseren nicht enden wollenden Hunger nach immer neuen elektronischen Produkten abgebaut. Gerne hätte man noch mit der geplanten Live-Schaltung Cedric Gashugi direkt aus Ruanda gehört. Er ist dort im Bereich Notfall- und Katastrophenmanagement sowie im Bereich Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz tätig und musste leider direkt zu einem Notfall. Aber auch in diesem sehr komplexen Bereich der Produktion von elektronischen Geräten gibt es zum Glück schon vereinzelt Alternativen. Firmen von Smartphoneherstellern, wie „Fairphone“ oder „Shiftphones“ arbeiten aktiv an verbesserten Arbeitsbedingungen entlang der Lieferkette ihrer Produkte.

Eben auf die Brisanz und Wichtigkeit des aktuell verabschiedeten (noch zu schwachen) Lieferkettengesetzes wiesen dann Martina Beck und Verena Albert von GEPA – The Fair Trade Company hin. Außerdem berichteten sie, an welchen Stellschrauben der Handel, wenn er denn will und der Verbraucher es auch bezahlt, drehen kann, damit die Lage für die Produzenten am Anfang und entlang der Wertschöpfung eines Produkts gerecht und sozial wird.

Im Anschluss an diese geballten Informationen konnte die AG „Fairer Handel“ noch einige Fragen aus dem Publikum an die Experten richten. Als Ausblick auf weitere Projekte der AG gab es noch die Aussicht auf den bald erscheinenden virtuellen Lernraum rund um das Thema „Kinderarbeit“, an dem die Schüler zurzeit noch basteln.  Und somit konnte Ursula Bauer nach über zwei intensiven Stunden die Zuhörer*innen mit dem Wissen entlassen, dass eine bessere Welt möglich ist und jede/r Einzelne etwas dafür tun kann.